Strahlenspätschäden

Bestrahlungsfolgen / Radionekrose

Die moderne Strahlentherapie zur Behandlung von Tumoren und bösartigen Geschwüren hat manchmal Nebenwirkungen – unmittelbar und zeitversetzt bis zu Jahrzehnten. Eine davon ist der Gewebeschaden der umliegenden, eigentlich gesunden Gewebe.

Die Strahlentherapie zur Abtötung von Krebszellen hat viele Nebenwirkungen. Eine davon ist der Gewebeschaden der umliegenden, eigentlich gesunden Gewebe. Die Folge sind Entzündungen und chronische Wunden in diesem Bereich mit deutlich eingeschränkter Heilungstendenz und kontinuierlicher Verschlechterung. Dies kann Organe (z.B. Blase, Darm), Weichteile und Haut sowie Knochen (z.B. Kieferknochen) betreffen.

Sind vorhergehende Therapien erfolglos, sollte eine HBO-Therapie in Betracht gezogen werden. Der Wirkmechanisus und der Therapieablauf sind ähnlich wie bei chronischen Wunden oder Osteomyelitis/Osteitis/Knochenerkrankungen.

Strahlenspätschäden

Was sind Strahlenspätschäden?
Achten Sie auf mögliche Bestrahlungsspätfolgen

Schmerzen, Schwellungen, Rötungen, Spannungsgefühle, aber auch chronische Wunden und Geschwüre können Spätfolgen einer Bestrahlung sein. Der Zeitraum, in dem solche Folgen bemerkt werden, liegt zwischen 30 Tagen und 30 Jahren nach Bestrahlungsbeginn.

  • Bei Brustkrebs: Spätfolgen treten nicht nur an der Hautober-fläche auf, sondern es entsteht bei ca. 30% der Frauen ein lästiges „Organgefühl” der Brust. Ohne Therapie kann eine Entzündung zu Gefäß Veränderungen führen. Verhärtungen des Gewebes bis hin zu offenen Wunden und zur Schrumpfung der Brust sind die Folge.
  • Bei Unterbauchtumoren: Je nach Bestrahlungsregion und Tiefe kann zum Beispiel auch die Blase (Blasenblutung) oder der Enddarm (Durchfälle, Blutung, Schmerzen) von Strahlenspätfolgen betroffen sein.
  • Bei Tumor im Kopf- / Halsbereich: Haut- oder Schleimhautgeschwüre in der Mundhöhle, im Gesicht oder am Hals sind ebenso Strahlenspätfolgen wie nicht heilende Wunden nach dem Ziehen eines Zahnes im bestrahlten Gebiet und auch der trockene Mund bei fehlendem Speichelfluss.

Wie entstehen Bestrahlungsspätfolgen?
Bei der Bestrahlung sollen möglichst alle bösartigen Zellen erreicht werden. Daher kann die Strahlentherapie auch noch gesundes, benachbartes Gewebe treffen und evtl. Zellen schädigen. Besonders strahlenempfindlich sind die kleinen Blutgefäße, das Bindegewebe, Knochen des Unterkiefers sowie Darm- und Blasenschleimhaut.
Die Blutgefäße entzünden und verschließen sich häufig nach Bestrahlung. Hierdurch kommt es zu einer Verarmung an Blutkapillaren auf etwa 20-30% der normalen Dichte. Vor allem, wenn das Gewebe zusätzlich verletzt wird (z. B. Entfernung von Zähnen, Nachoperationen, scheuernde Prothesen) oder nach einer Infektion führt die damit schlechte Sauerstoffversorgung zu offenen Hautstellen oder nachhaltig geschädigten Geweben. Es entsteht eine chronische Wunde, die nur sehr langsam oder gar nicht abheilen kann – eine Problemwunde. Eine solche Wunde benötigt dringend Sauerstoff zur Regeneration und zum Abbau von Bakterien.

Wirkung der HBO-Therapie
Die HBO-Therapie ist eine Behandlungsform, bei der die Patienten unter erhöhtem Druck (hyperbar) medizinisch reinen Sauerstoff (engl. oxygen) einatmen (HBO = hyperbaric oxygenation). In einer hermetisch abgeschlossenen Kammer wird der Druck auf das 1,5- bis 3-fache des normalen Umgebungsdruckes erhöht.
Normalerweise wird der in der Luft enthaltene Sauerstoff an die roten Blutkörperchen gebunden und vom Blutstrom zu den Geweben transportiert. Der kranke oder verletzte Organismus kann diese Form der Sauerstoffversorgung nur eingeschränkt aufrechterhalten und der Sauerstoff kann das Gewebe nicht mehr ausreichend durchdringen.
Unter den Bedingungen der HBO-Therapie wird der Sauerstoff außer von den roten Blutkörperchen auch vom Blutserum aufgenommen. Dadurch erhöht sich die Eindringtiefe des Sauerstoffs in das Gewebe um das bis zu 4-fache und das geschädigte und unter normalen Bedingungen unterversorgte Gewebe wird wieder mit genügend Sauerstoff versorgt.

Die Folgen:

  • Erhalt der Organfunktion
  • Optimierung der Durchblutung durch abschwellende Wirkung
  • Verstärkung und Beschleunigung der Wundheilung
  • Unterstützung der Neubildung von Gefäßen
  • Unterstützung von Gerinnungs- und Abwehrvorgängen
  • Erreger werden teilweise abgetötet

Die individuelle Therapie
Zusammen mit Ihrem Arzt arbeitet der Druckkammer-Arzt ein auf Ihre Beschwerden abgestimmtes Behandlungsprogramm aus. Es entsteht ein „Hand-in-Hand-Arbeiten” von Ärzten und Patient. Der Patient achtet auf die Einhaltung der vom behandelnden Arzt empfohlenen Lebensweise und Medikation. Die HBO sichert die Wundheilung durch die Anreicherung von Sauerstoff im Gewebe.

Der Patient als wichtigstes Glied seines Heilungsprozesses

  • Viel Flüssigkeit (z. B. Mineralwasser, Tee) aufnehmen, mindestens zwei bis drei Liter täglich
  • Der Genuss von Alkohol (Bier, Wein, Spirituosen) und Zigaretten schränkt die Wirkung der HBO-Therapie stark ein bzw. macht sie unwirksam.
  • Notwendige Zusammenarbeit zwischen Patient, Arzt und HBO-Arzt

Rechtzeitiger Beginn der HBO-Therapie wichtig
Wenn eine Wunde in 30 Tagen konsequenter Behandlung nicht heilt, sollte mit der HBO-Therapie begonnen werden. Weitere Komplikationen im Wund- oder z. B. Harnblasen-Bereich werden verhindert oder verringert. Eine HBO-Behandlung ist auch sinnvoll, bevor Operationen im bestrahlten Gebiet durchgeführt werden, weil diese OP-Wunden erfahrungsgemäß Gebiet schlecht heilen.
Sprechen Sie Ihren Arzt auf die hyperbare Sauerstofftherapie an. Wir helfen gerne mit Informationsmaterial und Bereitstellung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Bestrahlungsspätfolgen nach Radiotherapie ist die HBO beihilfefähig und werden von Krankenkassen erstattet.

Strahlenfolgen am Verdauungstrakt

Dieser Artikel befasst sich mit den Strahlenfolgen am Verdauungstrakt, die als Komplikationen der Strahlentherapie auftreten. Generell wird zwischen akuten und spät auftretenden Komplikationen unterschieden. Als akute Nebenwirkungen gelten solche, die zwischen dem ersten und dem neunzigsten Tag auftreten. Spätfolgen machen sich erst nach dem neunzigsten Tag bemerkbar.

Die akuten Strahlenfolgen spielen sich hauptsächlich an der Schleimhaut des Magen-Darmtraktes ab. Da die Zellen der Schleimhaut sich in einer stetigen Erneuerung befinden, sind sie für Bestrahlung empfindlich. Das bedeutet aber auch, dass akute Strahlenfolgen in kurzer Zeit wieder aufgehoben sind.

Die chronischen Strahlenspätfolgen beruhen hauptsächlich auf Beeinträchtigung der Gefäße sowie Thrombose und Fibrosierung. Die Gefäßschäden sind fortschreitend und stellen eine ernsthafte Komplikation dar. Sie bewirken letztendlich die chronische Strahlenerkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Die Strahlenerkrankungen an der Speiseröhre

Die hochdosierte Bestrahlung der Speiseröhre erfolgt meist bei Tumoren der Speiseröhre und des Bronchialkarzinoms. Als akute Reaktion treten in der Regel Schmerzen und eine Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis) auf. Schluckbeschwerden werden nach hoher Dosierung beobachtet. Wichtig ist, festzuhalten, dass die psychische Situation auch das Ausmaß der Beschwerden bestimmt. Als Komplikation können Blutungen, Durchbruch des Ösophagus sowie Bildung von Fisteln entstehen. Die chronische Folge der Bestrahlung kann eine Verengung bzw. Verlegung der Speiseröhre sein. Die Behandlung ist schwierig und oft frustrierend.

Strahlenerkrankung des Magens

Der gesunde Magen wird oft im Rahmen einer Bestrahlung des Oberbauches mitbestrahlt. Akut wird die Salzsäurebildung gemindert oder sie hört ganz auf. Diese Irritation dauert zwischen 1 und 6 Monaten, kann aber auch Jahre anhalten. Zu den chronischen Strahlenschäden zählen Verdauungsstörungen, Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis), Magengeschwüre und Verengung der Magenpassage.

Strahlenerkrankung des Dünn- und Dickdarmes

 

Nach einer Bestrahlung tritt relativ schnell eine akute Enteritis auf, die sich mit Brechreiz, kolikartigen Schmerzen und Durchfall äußert. Nach Beendigung der Strahlentherapie bilden sich die Symptome jedoch rasch zurück. Die Strahlenspätfolgen sind Blutungen, Geschwüre, Verengung und Verlegung des Darmes und Fisteln. Je früher die Spätfolgen auftreten, desto schwerer verlaufen sie. 2–5 % der Patienten müssen operiert werden. Der häufigste Ort für die Spätfolgen sind der Enddarm sowie das Sigma nach Bestrahlung von Prostatakarzinomen, Blasentumoren oder gynäkologischen Tumoren.

 

Strahlendefekt der Bllase (Radiocystitis)

Während einfache Infekte bei Normalpatientinnen mit oral nitrofurantoin, 100 mg 3 tgl. für 5 Tage therpapiert werden, ist nach Bestrahlung die Blase sehr anfällig vor allem für Blutungen (Häamturie).